Macht Sprudelwasser fett? Oder hilft es sogar beim Abnehmen?

Im Netz ranken sich zahlreiche Mythen und Gerüste um die Wirkung von Sprudelwasser. Manch einer sagt, es rege den Appetit an, mache hungrig und bewirke auf diese Weise eine Gewichtszunahme. Andere sind davon überzeugt, dass Sprudelwasser sättigt und den Körper auf vielfältige Weise beim Abnehmen unterstützt.

Unterschiedlicher könnten die Standpunkte wohl kaum sein. Grund genug, beide Ansätze einmal kritisch unter die Lupe zu nehmen und herauszufinden, wie viel Wahrheit tatsächlich in den verschiedenen Ansätzen steckt. Ich möchte ein für alle Mal klären: Macht Sprudelwasser fett? Oder hilft es sogar beim Abnehmen? 

Regt Sprudelwasser den Appetit an und macht hungrig?

Studien zufolge sollen die erfrischenden Kohlensäurebläschen nach dem Genuss einen unerwünschten Nebeneffekt haben: Sie regen das Hungergefühl an. Ohne Zweifel steht fest, dass nach dem Genuss von Sprudelwasser der Magen durch das CO2 geweitet wird. Dies führt zur Ausschüttung von Ghrelin, einem Stoffwechselhormon, das dafür bekannt ist, unser Hunger- und Sättigungsgefühl zu regulieren und appetitanregend zu sein.

Die Rolle von Ghrelin beim Hungergefühl

Ghrelin wird in der Bauchspeicheldrüse, in der Magenschleimhaut und in verschiedenen Abschnitten des Magen-Darm-Traktes freigesetzt. Über das Blut gelangt das Stoffwechselhormon in das menschliche Gehirn, genauer gesagt in den Hypothalamus. Hat der Mensch beispielsweise über einen längeren Zeitraum nichts gegessen, steigt die Konzentration von Ghrelin im Blut deutlich an und die Schaltzentrale im Gehirn signalisiert: „Hunger – Du solltest etwas essen„.

Bei Menschen mit Gewichtsproblemen konnte nachgewiesen werden, dass bei ihnen der Ghrelin-Spiegel im Blut dauerhaft erhöht ist. Dies führt zu mehr Appetit, zu vermehrtem Hungergefühl, einer gesteigerten Essensaufnahme und im Ergebnis zu mehr Gewicht auf der Waage. Hieraus allerdings zu schlussfolgern, dass Ghrelin allein verantwortlich für Übergewicht sei, wäre doch etwas zu einseitig.

Ghrelin ist nur ein Faktor unter vielen

Fest steht also, dass das in Sprudelwasser enthaltene CO2 den Magen weitet und so eine Ausschüttung von Ghrelin bewirkt. Dass dieser Effekt jedoch dafür sorgt, dass unmittelbar nach dem Trinken mehr gegessen wird, zweifeln die Wissenschaftler an. Dies würde ja im Umkehrschluss bedeuten, dass Menschen, die nur stilles Wasser zu sich nehmen, immer schön schlank bleiben.

Der Prozess der Appetitregulation ist sehr viel komplexer und lässt sich nicht allein auf ein Hormon beschränken. Letzten Endes ist wohl auch jedem klar, dass der gewichtigste Grund für überschüssige Kilos und Übergewicht eher in einer falschen und unausgewogenen Ernährung als in kalorienfreiem Sprudelwasser zu suchen ist. Und solltest Du nach dem Genuss von mit CO2 versetztem Wasser tatsächlich Appetit verspüren, musst Du diesem ja nicht unbedingt nachgeben.

Besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Kohlensäure und Übergewicht?

Ein Forscherteam der palästinensischen Universität Bir Zait kam im Jahr 2017 zu dem Ergebnis, dass Kohlensäure, Hungergefühl und Übergewicht in direkten Zusammenhang miteinander stünden. Die Forscher begründeten ihre Schlussfolgerungen anhand eines an Ratten durchgeführten Experiments.

In dessen Verlauf wurden Ratten in vier verschiedene Versuchsgruppen unterteilt und erhielten über ein Jahr hinweg entweder Getränke mit oder ohne Kohlensäure. Und siehe da, die Tiere, die ausschließlich kohlensäurehaltige Getränke zu sich nahmen, fraßen mehr und legten deutlich an Gewicht zu. Begründet wurde dieses Ergebnis mit einem durch die Kohlensäure erhöhten Ghrelin-Spiegel, der bei den Tieren der jeweiligen Versuchsgruppen nachweislich vorhanden war.

Darum sind die Studienergebnisse zweifelhalt

Dies mag auf den ersten Blick durchaus überzeugend erscheinen. Ein genauerer Blick auf das Experiment lässt allerdings starke Zweifel an der Plausibilität des Ergebnisses aufkommen. Denn die Versuchsanordnung erlaubte keinen direkten Vergleich zwischen reinem Wasser mit und ohne Kohlensäure. Vielmehr trank die erste Rattengruppe reines Leitungswasser, die zweite zucker- und kohlensäurehaltige Limonade, die dritte ein Zuckergemisch ohne Kohlensäure und die vierte eine sprudelnde Limonade auf der Basis von Süßstoff.

Außerdem wurde nicht abschließend überprüft, ob die Kohlensäure tatsächlich für die Erhöhung des Ghrelin-Spiegels verantwortlich war. Uns so blieb die berechtigte Frage: Nimmt eine Ratte, die zuckerhaltige Limonade trinkt, tatsächlich aufgrund der Kohlensäure zu? Schließlich konnte nicht ausgeschlossen werden, dass auch andere Faktoren wie Futter, Zucker oder andere Inhaltsstoffe dafür verantwortlich sein könnten.

Unklar blieb ebenfalls, ob sich die Testergebnisse so einfach von der Ratte auf den Menschen übertragen lassen. Ein später durchgeführter Versuch an 20 männlichen Studenten führte zwar zum gleichen Ergebnis, erschien den Kritikern der Studie aber wenig repräsentativ. Die Kohlensäure als alleinigen Dickmacher auszumachen, galt als durchaus fragwürdig und konnte bis heute nicht durch wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse belegt werden.

Kann Dich kohlensäurehaltiges Wasser beim Abnehmen unterstützen?

Die Behauptung, dass Wasser mit Kohlensäure zu einer Gewichtszunahme führt, gilt also wissenschaftlich als nicht erwiesen. Vielmehr spricht eine Menge an Argumenten dafür, dass Dich Sprudelwasser als erfrischendes, gesundes, abwechslungsreiches und kalorienarmes Getränk bei Deiner Diät unterstützen kann. Deshalb gilt:

  • Wasser mit Kohlensäure dehnt den Magen, sodass sich schnell ein Sättigungsgefühl einstellt.
  • Kohlensäure regt den Speichelfluss an, so werden die Geschmackspapillen im Mund gereinigt und Dein Geschmack wird intensiver.
  • Kohlensäure stimuliert die Durchblutung der Mund- und Magenschleimhaut und erhöht so den Energieverbrauch.
  • Kohlensäure setzt mehr Verdauungssäfte frei, bringt Magen und Darm in Schwung, fördert die Nährstoffaufnahme und regt sowohl den Stoffwechsel als auch die Verdauung an.
  • Sprudelwasser fördert die Ausscheidung des Urins, entschlackt und spült die Harnwege durch.
  • Kaltes Sprudelwasser erfrischt und verbrennt zusätzliche Kalorien, da Dein Körper das Wasser erst erwärmen muss.

Du kannst Dein Sprudelwasser übrigens noch aufpeppen und mit zusätzlichen Mineralien versetzen – zum Beispiel mit MineraLiquid.

Fazit: Macht Sprudelwasser fett?

Du bist, was Du isst“ und Dein Gewicht richtet sich in erster Linie danach, wie viele Kalorien Du zu Dir nimmst. Ob Du für die Flüssigkeitsaufnahme reines Wasser mit oder ohne Kohlensäure bevorzugst, bleibt allein Deinem Geschmack überlassen und der Frage, wie gut Du Kohlensäure verträgst.

Die Frage „Macht Sprudelwasser fett?“ beantworte ich daher tendenziell eher mit einem „nein„. Bevor Du Dich bzgl. Deines Gewichts um die Kohlensäure in Deinem Wasser kümmerst, gibt es sicherlich 100 andere Stellschrauben in Deinem Lebensstil, um die Du Dich vorher kümmern solltest.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 21. Juni 2022 aktualisiert.
Wer schreibt hier?

Ich heiße Thomas und betreibe dieses Projekt seit 2013. Mich hat die Schlepperei von Wasserkästen immer gestört, weshalb ich direkt Feuer und Flamme war, als ich zum ersten Mal von Wassersprudlern gehört habe. Die Inhalte dieser Website habe ich nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Ich hoffe, dass ich Dir weiterhelfen konnte!